Vaddukoddai-Resolution vom 14. Mai 1976
«Diese Konvention legt fest, dass die Wiederherstellung des freien, souveränen, weltlichen, sozialistischen Staates von Tamil Eelam, auf dem Selbstbestimmungsrecht basierend, welches jeder Nation eigen ist, unvermeidlich geworden ist, um die Existenz eines tamilischen Staats in diesem Land zu sichern.»
Politische Resolution, einstimmig am 14. Mai 1976 am ersten Nationalkongress der Tamil United Liberation Front in Pannakam (Wahlbezirk Vaddukoddai) angenommen. Das Präsidium hatte S.J.V. Chelvanayakam, Kronanwalt und Parlamentsabgeordneter, inne.
In Anbetracht dessen, dass die Jahrhunderte hindurch seit den Anfängen der Geschichte die singhalesische und die tamilische Nation sich untereinander den Besitz von Ceylon aufgeteilt haben, die Singhalesen das Innere des Landes im Süden und im Westen zwischen den Flüssen Walawe und Chilaw bewohnen, während die Tamilen die nördlichen und östlichen Gebiete besitzen,
und in Anbetracht dessen, dass das tamilische Königreich im Krieg gestürzt und von den Portugiesen 1619 erobert wurde, dann dieses wiederum durch die Holländer und die Briten – unabhängig von den singhalesischen Königreichen – abgenommen wurde,
und in Anbetracht dessen, dass die britischen Kolonisten, die die Territorien der singhalesischen und der tamilischen Königreiche separat regierten, unter Zwang die Territorien der singhalesischen Königreiche 1833 aus verwaltungstechnischen Gründen zusammenlegten, auf Empfehlung der Colebrooke Commission,
und in Anbetracht dessen, dass die tamilischen Führer an vorderster Front der Befreiungsbewegung standen, die Ceylon aus der kolonialen Knechtschaft befreite, was schliesslich 1948 zur Gewährung der Unabhängigkeit von Ceylon führte,
und in Anbetracht dessen, dass die vorgenannten geschichtlichen Fakten vollkommen übersehen wurden, und die Macht über das ganze Land der singhalesischen Nation auf der Basis einer numerischen Mehrheit übergeben wurde, wodurch die tamilische Nation den Status eines Volks von Untertanen erhielt,
und in Anbetracht dessen, dass die aufeinanderfolgenden singhalesischen Regierungen seit der Unabhängigkeit immer einen aggressiven Nationalismus des singhalesischen Volkes gefördert und ihre politische Macht zum Nachteil der Tamilen genutzt haben, indem
(a) sie eine Hälfte des tamilischen Volkes ihrer Staatsangehörigkeit und ihres Stimmrechts beraubten, wodurch die tamilische Vertretung im Parlament reduziert wurde,
(b) sie durch ein System geplanter und staatlich unterstützter singhalesischer Kolonialisierung weit auf das Gebiet des ehemaligen tamilischen Königreiches vordrangen, und in letzter Zeit Übergriffe im grossen Stil organisierten, um die Tamilen zu einer Minderheit in ihrer eigenen Heimat zu machen,
(c) sie Singhalesisch zur einzigen Amtssprache überall in Ceylon machten, wodurch die Tamilen und die tamilische Sprache als unterlegen abgestempelt werden,
(d) sie in der Republican Constitution [Verfassung der Republik] dem Buddhismus eine Vormachtsstellung einräumten, wodurch die Hindus, Christen und Muslime in diesem Land zu Bürgern zweiter Klasse reduziert wurden,
(e) sie den Tamilen Chancengleichheit bei der Anstellung, Ausbildung, Landerwerb und im Wirtschaftsleben allgemein verwehrt und tamilische Gebiete beim Aufbau grosser Industrien sowie bei Entwicklungsprogrammen ausgespart haben, wodurch deren Existenz in Ceylon ernsthaft bedroht ist,
(f) die Tamilen systematisch von der Hauptrichtung der tamilischen Kulturen in Südindien abgeschnitten werden, während ihnen Gelegenheiten zur Entwicklung ihrer Sprache und Kultur in Ceylon verweigert werden, was unaufhaltsam auf den kulturellen Völkermord der Tamilen hinführt,
(g) sie in den Gemeinden Gewalt und Einschüchterung gegen Tamilisch sprechende Menschen gestatten und entfesseln, wie dies in Amparai und Colombo 1956 sowie im ganzen Land 1958 passierte; Terrorherrschaft durch die Armee in den nördlichen und östlichen Provinzen 1961; polizeiliche Gewalt bei der Internationalen tamilischen Forschungskonferenz 1974, was zum Tod von neun Personen in Jaffna führte; polizeiliche und örtliche Gewalt gegen Tamilisch sprechende Muslime bei Puttalam und anderen Teilen von Ceylon 1976 – all dies mit der Absicht, die Tamilisch sprechenden Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen und so ihre Seele und ihren Willen zu brechen, sich angesammelten Ungerechtigkeiten zu widersetzen,
(h) tamilische junge Leute terrorisiert, gefoltert und ohne Gerichtsverfahren für lange Zeit aus fadenscheinigsten Gründen inhaftiert werden,
(i) all dem noch die Krone aufgesetzt wird, indem sie der tamilischen Nation eine Verfassung aufzwangen, die unter Notrecht ausgearbeitet wurde, ohne die Gelegenheit für freie Diskussion durch eine verfassungsgebende Versammlung zu geben, gewählt auf der Basis der Soulbury-Verfassung, verfälscht durch die Staatsangehörigkeitsgesetze, woraus eine Überrepräsentation der singhalesischen Mehrheit resultiert, was den Tamilen sogar den letzten Rest an Schutz raubt, den sie unter der früheren Verfassung hatten,
und in Anbetracht dessen, dass alle Versuche verschiedener politischer Parteien der Tamilen, ihre Rechte durch Kooperation mit den Regierungen, durch parlamentarische Aktionen und durch ausserparlamentarische Aktionen, durch das Eingehen von Vereinbarungen und Abmachungen mit aufeinanderfolgenden Premierministern zu verwirklichen, um nur das reine Minimum an politischen Rechten herzustellen, die für die Selbstachtung des Volkes der Tamilen erforderlich sind, sich als vergeblich erwiesen haben,
und in Anbetracht dessen, dass die Bemühungen des All Ceylon Tamil Congress, durch einen Plan ausgeglichener Repräsentanz in einer Staatsverfassung der Einheit eine Situation herzustellen, in der die Minderheiten nicht von den Mehrheiten dominiert werden, gescheitert sind und sogar die mageren Sicherheiten, die Artikel 29 der Soulbury-Verfassung gegen diskriminierende Gesetzgebung gewährleistet, durch die Republican Constitution wieder rückgängig gemacht worden sind,
und in Anbetracht dessen, dass die Vorschläge, die die Ilankai Thamil Arasu Kadchi der verfassunggebenden Versammlung unterbreitet hat, um die Einheit des Landes unter Wahrung der Identität des Volkes der Tamilen durch die Einrichtung eines autonomen Staates der Tamilen innerhalb des Rahmens der Föderalen Republik aufrechtzuerhalten, summarisch und vollständig zurückgewiesen wurden, ohne den Anstand zu haben, den wesentlichen Inhalt überhaupt zu überdenken,
und in Anbetracht dessen, dass die Zusätze zu den grundlegenden Resolutionen, die zur Sicherstellung eines Minimums an Schutz für das Volk der Tamilen an der Konferenz aller Parteien der Tamilen in Valvettithurai am 7. Februar 1971, von Einzelpersonen und von tamilischen Mitgliedern des Parlaments einschliesslich derjenigen, die jetzt in der Regierungspartei sind, verabschiedet worden waren, von der Regierung und der verfassunggebenden Versammlung insgesamt zurückgewiesen wurden,
und in Anbetracht dessen, dass sogar Ergänzungen der Entwurfsvorschläge hinsichtlich der Sprache, der Religion und fundamentaler Rechte einschliesslich eines Vorschlages, der zum Inhalt hatte, dass wenigstens die Regelungen der Tamil Language (Special Provisions) Regulations von 1956 Eingang in die Verfassung finden sollten, verworfen wurden, was zum Boykott der verfassunggebenden Versammlung durch die grosse Mehrheit der tamilischen Parlamentsmitglieder führte,
und in Anbetracht dessen, dass die Tamil United Liberation Front, nachdem sie die am 22. Mai 1972 verabschiedete Verfassung der Republik abgelehnt und dem Premierminister und der Regierung am 25. Juni 1972 einen sechs Punkte umfassenden Forderungskatalog unterbreitet und ihnen drei Monate Zeit gegeben hatte, in denen die Regierung sinnvolle Schritte in Richtung auf eine Ergänzung der Verfassung unter Berücksichtigung der Bestrebungen der Nation der Tamilen auf der Grundlage dieser sechs Punkte hätte unternehmen können und die Regierung gleichzeitig dahingehend informiert hatte, dass die Tamil United Liberation Front im Weigerungsfall eine gewaltlose direkte Aktion gegen die Regierung beginnen würde, um die Freiheit und die Rechte der Nation der Tamilen auf der Grundlage des Rechts der Selbstbestimmung zu verwirklichen,
und in Anbetracht dessen, dass dieser letzte Versuch der Tamil United Liberation Front, die Anerkennung der Rechte der Nation der Tamilen in der Verfassung zu erreichen, ohne die Einheit des Landes zu untergraben, von Premierminister und Regierung gefühllos ignoriert wurde,
und in Anbetracht dessen, dass die Gelegenheit, die der Führer der Tamil United Liberation Front der Regierung gegeben hat, ihre Behauptung zu beweisen, dass die Verfassung die Zustimmung des Volkes der Tamilen habe, indem er von seiner Mitgliedschaft in der National State Assembly zurücktrat, um eine Nachwahl zu ermöglichen, von der Regierung absichtlich und in völliger Missachtung der demokratischen Rechte der tamilischen Stimmbürger von Kankesanthurai zwei Jahre lang nicht genutzt wurde,
und in Anbetracht dessen, dass die Stimmbürger von Kankesanthurai in der am 6. Februar 1975 abgehaltenen Nachwahl mit überwältigender Mehrheit nicht nur die ihnen von der singhalesischen Regierung aufgezwungene Republican Constitution verworfen, sondern auch Kronanwalt Mr. S.J.V. Chelvanayakam und durch ihn der Tamil United Liberation Front ein Mandat für die Wiederherstellung und neue Verfassung des freien, souveränen, weltlichen, sozialistischen Staates Tamil Eelam gegeben haben,
erklärt die erste Nationalversammlung der Tamil United Liberation Front auf ihrem Treffen in Pannakam (Wahlbezirk Vaddukoddai) am 14. Mai 1976 hiermit,
dass die Tamilen von Ceylon kraft ihrer grossartigen Sprache, ihrer Religionen, ihrer eigenen Kultur und Überlieferung, der Geschichte ihrer unabhängigen Existenz als eigener Staat in einem bestimmten Staatsgebiet während mehrerer Jahrhunderte bis zu ihrer Eroberung durch die bewaffnete Macht der europäischen Invasoren, und vor allem durch ihren Willen, sich als eigenständige Einheit auf ihrem eigenen Staatsgebiet selbst zu verwalten, eine von der singhalesischen zu unterscheidende eigenständige Nation sind,
und dass diese Versammlung der Welt verkündet, dass die Republican Constitution von 1972 die Tamilen zu einer Nation von Sklaven gemacht hat, die von den neuen singhalesischen Kolonialherren beherrscht wird, die die Macht, die sie sich zu Unrecht angeeignet haben, dazu missbrauchen, der Nation der Tamilen ihr Staatsgebiet, ihre Sprache, ihre Staatsangehörigkeit, ihr Wirtschaftsleben, ihre Beschäftigungsmöglichkeiten und ihre Bildung vorzuenthalten und dadurch die Elemente der Eigenstaatlichkeit des Volkes der Tamilen zerstören.
Daher beschliesst diese Versammlung eingedenk der Zusage des Ceylon Workers Congress als Gewerkschaft der Plantagenarbeiter, deren überwiegende Zahl ausserhalb der nördlichen und östlichen Gebiete leben und arbeiten, im Hinblick auf ihre Verpflichtung zur Bildung eines eigenständigen Staates Tamil Eelam,
dass die Wiederherstellung und neue Verfassung des freien, souveränen, weltlichen, sozialistischen Staates Tamil Eelam, gegründet auf das jeder Nation innewohnende Recht auf Selbstbestimmung, unvermeidlich geworden ist, um die blosse Existenz der Nation der Tamilen in diesem Land zu sichern.
Diese Versammlung erklärt weiter –
(a) dass der Staat Tamil Eelam aus dem Volk der nördlichen und östlichen Provinzen bestehen und zudem allen die tamilische Sprache sprechenden Menschen, die an irgendeinem Ort in Ceylon leben, und Menschen mit tamilischer Herkunft, die an irgendeinem Ort der Welt leben, volles und gleiches Recht auf Staatsbürgerschaft im Staat Tamil Eelam gewähren soll, wenn sie dies wünschen;
(b) dass die Verfassung von Tamil Eelam auf dem Prinzip der demokratischen Dezentralisierung beruhen soll, um sicherzustellen, dass keine religiöse oder territoriale Gemeinde von Tamil Eelam von irgendeinem anderen Teil dominiert wird;
(c) dass in dem Staat Tamil Eelam das Kastenwesen abgeschafft ist und die Einhaltung der verderblichen Praxis der Unberührbarkeit oder auf der Geburt beruhender Ungleichheit in jeglicher Form vollständig ausgerottet und jeder Verstoss dagegen gesetzlich unter Strafe gestellt wird;
(d) dass Tamil Eelam ein weltlicher Staat ist, in dem alle Religionen, denen Mitglieder seines Staatsvolkes angehören, gleichen Schutz und gleiche Unterstützung geniessen;
(e) dass Tamilisch die offizielle Sprache des Staates sein wird, dass aber die Rechte der Singhalesisch sprechenden Minderheit in Tamil Eelam auf Bildung und Wirtschaftsverkehr in ihrer Sprache auf der Grundlage gleichen Rechts für die Tamilisch sprechende Minderheit in dem singhalesischen Staat gewährleistet wird;
(f) dass Tamil Eelam ein sozialistischer Staat sein wird, in dem die Ausbeutung von Menschen durch Menschen verboten ist und die Würde der Arbeit anerkannt wird, die Produktions- und Distributionsmittel öffentliches Eigentum sind und öffentlicher Kontrolle unterstehen, wobei privates Unternehmertum in diesem Bereich in gesetzlich geregelten Grenzen erlaubt ist; wirtschaftliche Entwicklung soll Gegenstand sozialistischer Planung sein, und es soll eine Obergrenze geben, bis zu der jedes Individuum und jede Familie Reichtum anhäufen darf.
Diese Versammlung überträgt dem Aktionskomitee der Tamil United Liberation Front die Aufgabe, einen Aktionsplan für die Gewinnung der Souveränität und Freiheit der Nation der Tamilen auszuarbeiten und unverzüglich den diesbezüglichen Kampf zu beginnen.
Und diese Versammlung ruft die Nation der Tamilen allgemein und die tamilische Jugend insbesondere dazu auf, sich zu erheben und sich vollständig in den heiligen Kampf für die Freiheit zu werfen und nicht zurückzuweichen, bis das Ziel des souveränen Staates Tamil Eelam verwirklicht ist. •
Quelle: Übersetzung von www. Zeit-Fragen.ch
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